Brot backen in Ebsdorf
Diese Erzählungen wurden anläßlich des Jubiläumsfestes in 2008 von den Mitgliedern der Backhausgemeinschaft zusammengetragen:

Vom Brot backen :


"Wenn ich mich zurück erinnere an meine Kindheit und nur an das Brotbacken denke, was das für ein Umstand war bis alles mal soweit gerichtet war und die Vorbereitungen getroffen waren, dann muss ich heute noch schmunzeln."

  • Früher als man noch nicht einfrieren konnte, wurde in einer Familie ungefähr alle 14 Tage Brot gebacken, immer wenn das Brot alle war.

  • Eine Familie machte ca. 2 große Bretter voll,  ca. 7-8 Laibe (je 4-5 Pfund).

  • Donnerstag und Freitag wurde Brot gebacken, samstags wurde Kuchen gebacken. Nur wenn unbedingt nötig, konnte auch am Samstag noch Brot gebacken werden.

  • Im Sommer konnten 6 Partien Brot backen, da es lange hell war. Im Winter war es schwieriger. Man machte auch manchmal ein paar Laibe mehr, damit man nicht so oft backen musste. Im Winter konnte man das Brot ja auch besser aufbewahren.

  • Weihnachten, Ostern, Pfingsten, an den großen Feiertagen, und wenn ein Fest im Dorf war, durfte am Samstag kein Brot gebacken werden, weil die Leute dann alle Kuchen backen wollten. Hierbei wurde auch schon am Freitag Kuchen gebacken, damit alle die Möglichkeit hatten, ihre Kuchen zu backen.Dazu wurde mit dem Brot backen schon ein Tag früher angefangen.

  • Zwischen den Jahren wurde nicht gebacken.

  • Wollte man Brot backen, so ging man zwei Tage vorher zum "Losen", um die Reihenfolge beim Backen zu bestimmen. Zu diesem Zweck gab es Kärtchen aus Pappe, auf denen Zahlen geschrieben waren. Sobald es 17.00 Uhr läutete, trafen sich diejenigen, die backen wollten, in der Kirchgasse (früher Milchgasse) vor dem Backhaus.

  • Die "Lose" wurden bei einer Frau in eine Schürze geworfen und dann die Reihenfolge gezogen, in der am übernächsten Tag gebacken werden durfte.

  • Die Familie, die die Nummer 1 raus gezogen hatte, musste als erstes backen. Wenn es nicht möglich war (eine Frau mit Kindern, die am Morgen backen sollte) konnte getauscht werden.

  • Der Anheizer wurde schon vorher bestimmt. Jedes Mal im Wechsel. Er brauchte nicht zu spielen, er wusste schon Bescheid. Der Ortsdiener teilte das der betreffenden Familie schon vorher mit.
  • Die Gemeinde hatte einen Zettel auf dem alle Familien draufstanden, die Brot backen. Dort wurde der Reihe nach das Anheizen festgelegt, es fand immer im Wechsel statt.

  • Der Sauerteig war schon angesetzt. Am nächsten Morgen wurde dann der Vorteig zubereitet, und zwar mit Sauerteig, Mehl, Wasser und Salz. Dieses nannte man "Säuern".

  • Am Backtag wurde der Teig noch mal durchgeknetet und mit Mehl zum fertigen Brotteig geknetet. Nachdem er 2 Stunden gegangen war, wurde die Laibe geformt, die ebenfalls noch mal gehen mussten.

  • Währenddessen fuhr man die so genannten „Backscheite“ und „Wellen“ in das Backhaus (das waren einerseits meterlange gespaltene Holzstücke und dann auch noch Buschreiser, die beim Holzmachen im Winter aus dem Wald mitgebracht wurden).

  • Jetzt wurde der Backofen angeheizt. Das Anheizen dauerte am Anfang doppelt so lange wie bei den nächsten.

  • Wenn die Steine im Backofen oben weiß waren, war er heiß genug und es konnte angefangen werden. Oder man machte den Test mit der Handprobe: Hand in den Ofen, wenn man sehr heiß fühlte, war der Ofen gut.

  • Die Frauen trugen die Bretter mit dem Brot zum Backhaus und wieder zurück auf dem Kopf. Manche Frauen trugen das Backbrett auf den Kopf zum Backhaus, wobei der „Kizzel“ (Rundkissen) den Druck der Last milderte.

  • Bevor nun das Brot hinein gegeben wurde, musste die Glut mit dem "Kess" aus dem Ofen geholt werden.

  • Anschließend wurde der Ofen sauber gemacht. Um den „Kess“ wurde ein Sack gewickelt, der vor der Benutzung erst befeuchtet wurde, damit er sich im Ofen nicht entzündete.
  • Als diese Vorbereitungen abgeschlossen waren, konnte das Brot in den Ofen geschoben werden. Dieses wurde mit einem „Schesser“ gemacht. Bei dem „Schesser“ handelte es sich um eine Stange, an der vorne ein breites flaches Brett befestigt war.

  • Jetzt wurde das Brot eine Stunde gebacken. Zwischendurch wurde es nochmals herausgenommen, mit Salzwasser bestrichen und dann fertig gebacken.

  • Meistens wurde auch noch ein „Schmierkuchen“ mit gebacken. Dazu wurde Brotteig auf einem großen Blech ausgerollt. Als Belag diente ein Gemisch aus Kartoffeln, Schmand, Eiern und Gewürzen.

  • Etwas Brotteig und die Teigreste vom Backtrog wurden zusammengekratzt, mit Mehl zerkrümelt und in einem Säckchen an einem luftigen Ort aufgehängt und getrocknet. Daraus stellte man den Sauerteig zum nächsten Brotbacken her.


 

Backhausgemeinschaft Ebsdorf
 
Letzte Aktualisierung:
24.08.2018
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